Ein Best-practice-Bericht von einer Oberschule und einem Gymnasium aus Osnabrück
In Osnabrück bieten eine Oberschule und ein Gymnasium in Trägerschaft der dortigen katholischen Schulstiftung zum neuen Schuljahr eine besondere 5. Klasse an. Und das auf Initiative von Eltern und mit Beschluss des Schulelternrates. Sie setzen sich für einen besonderen Start ihrer Kinder in der neuen Schule ein: ohne Benutzung von Smartphones – innerhalb und außerhalb von Schule in den Jahrgängen 5 und auch 6, so der Wunsch der Elterninitiative. Die Schulen lehnen Digitalisierung keinesfalls ab, im Gegenteil: Sie sind sehr digitalisiert. Gerade darum sind medienpräventive Maßnahmen in allen Jahrgängen mit dem Themen Datenschutz, strafrechtliche Inhalte oder Suchpotenzial Standard und dürfen Smartphones in den Schulen nur eingeschränkt genutzt werden, um persönliche Begegnungen in den Pausen zu fördern. Warum dann noch eine Klasse ganz ohne Smartphones?
„Weil das Internet, kein Nichtschwimmerbecken ist,“ so die Initiatorin Dr. Charlotte Metreveli Wiese, Mutter von vier Kindern im Alter von 13, 12, 9 und 7 Jahren und Ärztin. Sie habe nie verstanden, warum in Deutschland alle Kinder mit zehn Jahren mit dem Übertritt auf eine weiterführende Schule automatisch ein Smartphone bekämen und damit einen Teil ihrer Kindheit abgäben. „Die Eltern würden ihr Kind, welches nicht schwimmen kann, auch nicht in ein Schwimmbecken werfen,“ sagt sie mit Verweis auf Tobias Windbrake, einen der Gründer von „Smarter Start ab 14“. Der Verzicht auf ein Smartphone falle Eltern und Kindern leichter, wenn alle anderen Kinder in der Klasse auch kein Smartphone hätten. „Deswegen sind wir als Eltern auf weiterführende Schulen in Osnabrück zugegangen mit dem Vorschlag, dort die fünfte und sechste Klasse als smartphonefreie Klasse anzubieten. Wenn man sich für diese Klasse anmeldet, darf es weder in der Schule noch zu Hause ein Smartphone geben.“
Den Vorschlag hat Daniela Boßmeyer-Hoffmann, Leiterin des Gymnasiums Ursulaschule, gern aufgriffen. „In der Schule erleben wir eher durch Zufälligkeitsbefunde, dass Schülerinnen und Schüler schon im Alter von 12 Jahre mit Content von hoch verstörender Wirkung – sogar für Erwachsene – konfrontiert werden. Besonders Fotos, Sticker oder KI-generierte Bilder sind ein Problem.“ Dies alles finde in Räumen statt, die Lehrerinnen, Lehrern und Eltern meist nicht zugänglich seien, so dass die Kinder damit allein blieben. Das führe „zu einer Desensibilisierung von Kindern und Jugendlichen gegenüber derartigen z. B. rassistischen, pornografischen oder schwer beleidigenden digitalen Inhalten“. Die Konfrontation mit diesem Teil unserer Realität überfordere Schülerinnen und Schüler, je jünger, desto mehr.
Als Wirkung in der Schule erhofft sich Sabine Müller, Leiterin der Oberschule Domschule, von dem Pilotprojekt: „Ich wünsche mir für die Fünftklässler einen unbeschwerten Start an der für sie neuen Schule, bei dem die Kinder persönlich aufeinander zugehen und sich direkt begegnen, um so eine starke Gemeinschaft zu werden, ohne durch „mediale Störungen“ beeinträchtigt zu werden. Für die Wirkung außerhalb von Schule macht Dr. Charlotte Metreveli-Wiese den Eltern Mut: „Aus eigener Erfahrung kann ich andere Eltern bestärken, dass es gut funktioniert und mehr Zeit für Kreativität und freies Spiel bleibt.“
Ob dieses Angebot realisiert wird, darüber entscheiden die Eltern mit der Anmeldung für diese Schulen und die Smartphone freie Klasse. Das Selbstverständnis katholischer Schulen von der Erziehungspartnerschaft wird hierbei sehr konkret. Denn die Realisierung kann nur gelingen, wenn Schule und Elternhaus das Ziel gemeinsam verfolgen.
Autor: Dr. Winfried Verburg, geistlicher Beirat der Katholischen Elternschaft Deutschlands
Kontaktmöglichkeit für Eltern: https://chat.whatsapp.com/KygGDhtPZjZ0YkAoWbFmkN

