Eltern fordern vielfältige Familienhilfe von Kirche und Staat

Hirschberg. „Hilfen für Familien müssen genauso vielfältig sein, wie die Familie daselbst“, resümiert Marie-Theres Kastner, Bundesvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) die Herbsttagung der KED auf Schloss Hirschberg. Zwei Tage lang diskutierten die Elternvertreter am 27. und 28. September im Bildungshaus der Diözese Eichstätt die zentrale Frage „Was können Staat, Gesellschaft und Kirche dafür tun, Familien zu unterstützen?“ und durchleuchteten die Gesellschaft dabei in viele Richtungen. „Konsens ist, dass Familienzeit für junge Familien ein kostbares Gut ist. In dieser Zeit kommen die Kinder ebenso zu ihrem Recht als auch die Eltern als Partner. Meist sind heute Vater und Mutter berufstätig und haben ihre liebe Mühe und Not, Beruf und Familie zu vereinbaren. Der Ruf nach Betreuungseinrichtungen mit guter Qualität ist ebenso zu hören, wie der Ruf nach Familienfreundlichkeit in den Unternehmen“, berichtet Kastner von der Tagung.

Es sei längst nicht ausreichend, einen familienfreundlichen Chef oder Chefin zu haben, da müsse der ganze Betrieb mitspielen. Die Lasten der Familienfreundlichkeit könnten nicht einfach auf die „Jungen“ verteilt werden. Man müsse stets im Gespräch bleiben und die Lebenssituation jedes Einzelnen in den Blick nehmen: Von der Notwendigkeit kleinere Kinder zu betreuen bis hin zu den speziellen Lebenssituationen älterer Menschen. „Dafür reicht nicht eine Zertifizierung an der Haustür, das ist ein immer wieder in den Blick zu nehmender Prozess“, sagt Theresa Mertes, die als Mutter eigene Erfahrungen in die Tagung einbrachte. Es gelte, fair zu verhandeln und nachvollziehbare Kriterien in den Betrieben jedweder Art zu entwickeln - von Modellen der Teilzeitarbeit bis hin zu einer Lebensarbeitszeit. Nur dann gebe es in unserer Wirtschaft eine wirkliche Familienfreundlichkeit, sind die Teilnehmer überzeugt.

Ein zweiter Faktor sei insbesondere für Familien mit jüngeren Kindern von Bedeutung: die Betreuung. Gerade in den Ballungsräumen gibt es nach Auffassung der Tagungsteilnehmer zu wenig Betreuungsplätze. Von freier Wahl könne nicht die Rede sein. Dazu komme – das zwar von Bundesland zu Bundesland durchaus auch unterschiedlich -, dass das Angebot viel zu wenig Flexibilität aufweise. Kinder beispielsweise analog zur eigenen Arbeitszeit nur zwei Tage in der Woche zu bringen und dann nicht mehr, ist nur selten möglich. „Es ist dringend an der Zeit, dass die Flexibilität sowohl am Arbeitsplatz als auch in den Betreuungseinrichtungen Platz greift“, so die Bundesvorsitzende der katholischen Elternschaft Marie-Theres Kastner.

Schließlich würden auch finanzielle Aspekte das Familienleben beeinflussen: das Auskommen mit dem Einkommen. Gerade in den unteren Einkommensgruppen sei diese Frage entscheidend für die „Familienzeit“. Nicht selten müssen hier Überstunden oder mehrere Arbeitsverhältnisse für das Auskommen sorgen. Es gibt viele unterschiedliche Hilfen und das Wissen um diese Hilfen ist oft schwierig. „Was wäre es schön“, so brachte es Patrik Gronau als erfahrener Steuerberater auf den Punkt, „wenn das Finanzamt nicht nur auf unsere Steuern wartete, sondern aktiv auf uns zukäme und uns Hilfen im Steuerdschungel anbieten würde!“

Gerade dieser Satz war initiativ für weitere Diskussionen. Die Familie werde in Feiertagsreden als „Keimzelle der Gesellschaft“ bezeichnet. Diese Familien wären alle begeistert, wenn sie sich nicht selbst um jede Maßnahme intensiv kümmern müssten, sondern wenn Staat und Kirche auf sie zukämen und sich ihnen hilfreich zur Seite stellen würden. Da sich mit dem Würzburger Caritasdirektor und Domkapitular Clemens Bieber ein Kirchenmann und auch kirchlicher Arbeitgeber in die Tagung eingebracht hatte, wurden hier viele Wünsche des katholischen Elternverbandes an die Kirche deutlich artikuliert. Die Glaubwürdigkeit der Kirche bei der Umsetzung des Evangeliums, da waren sich eigentlich alle einig, zeige sich tagtäglich am besten, wenn diese für die Familien da sei. In Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Bildungsangeboten für die ganze Familie und auch Krankenhäusern könne die Kirche zeigen, dass sie für die Menschen da sei. „Da, wo Kirche als Arbeitgeber auftritt, sollte sie auf Grund ihres Familienbildes Wächter der Familien sein“, forderte Chiara Thoma, die Vorsitzende des Familienbundes der Diözese Eichstätt.

Kirche dürfe heutzutage nicht darauf warten, dass die Menschen zu ihr kommen, sie müsse auf die Menschen zugehen und dort helfen, wo Hilfe notwendig ist. Familien wären da dankbar und es würde ihnen helfen, Zeit für die Kinder zu haben, Bindungen untereinander aufzubauen, die wiederum ein tragfähiges Fundament in jeder Ebene unserer Gesellschaft sein können.