Kirche muss sich zu ihren Schulen bekennen

Hamburg (KED). „Angesichts der Krisen es unabdingbar, dass sich die katholische Kirche zu ihren Kindertageseinrichtungen und Schulen bekennt. Sie leisten mit ihrer Vielfältigkeit und Offenheit einen unschätzbaren Beitrag für Kinder, Jugendliche und Familien. An den katholischen Schulen steht nicht die Leistung an oberster Stelle, sondern die Entwicklung zu selbstkritischen Persönlichkeiten, die sich für eine Gesellschaft engagieren, die von einer Kultur der christlichen Nächstenliebe geprägt ist. Dieses Fazit zieht Marie-Theres Kastner, Bundesvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) am Samstag in Hamburg auf dem Bundeskongress der KED. Deshalb ergehe die Forderung sowohl an die Kirche als auch an den Staat, die Schulen in katholischer Trägerschaft zu stärken, zu unterstützen und finanziell auskömmlich auszustatten, sagte Kastner.

Beim Kongress der KED zum Thema „Schulen in kirchlicher Trägerschaft - Pastoraler Auftrag in einer pluralen Gesellschaft?" haben sich 70 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet mit der Bedeutung katholischer Schulen befasst. Michael Wrase, Professor für Öffentliches Recht mit den Schwerpunkten Sozial- und Bildungsrecht an der Stiftung Universität Hildesheim, mahnte in seinem Vortrag, dass auch die katholischen Schulen, den vom Grundgesetz gesetzten Rahmen einzuhalten hätten und ebenso wie öffentliche Schulen der Genehmigung des Staates bedürften und der staatlichen Aufsicht unterstünden. Dabei dürften die Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen. Zudem müsse eine Ungleichbehandlung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern verhindert werden. Auch die Lehrkräfte an privaten Schulen müssten den Lehrern im staatlichen System gleichgestellt sein. Wrase betonte dabei, dass die Mütter und Väter des Grundgesetzes sich auch bei den privaten Schulen eine Schule für alle vorgestellt hätten. Der Zugang zu den Privatschulen müsse unabhängig vom Einkommen der Eltern möglich sein. Dafür müsse die staatliche Schulaufsicht ebenso sorgen wie die privaten Schulträger.

Dr. Jörg-Dieter Wächter, Leiter der Hauptabteilung Bildung im Bistum Hildesheim, beschrieb am Beispiel seines Bistums wie vielfältig, offen und unterschiedlich sich katholische Schulen darstellen. Unter dem Leitbild katholischer Schulen, das es in vielen Bistümern gibt, sei es möglich katholische Schule in all ihrer Vielfalt zu gestalten. Sie machen Eltern, Kindern und Jugendlichen und auch ihrem Personal ein Angebot auf hohem schulischen Niveau. Die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen steht dabei im Fokus. Diese Persönlichkeitsentwicklung auf Basis des christlichen Menschenbildes setzt voraus, dass jedes Kind mit dem ihm verliehenen Gaben und Fähigkeiten angenommen und gefördert wird.

Katrin Czerwitzki vom Bereich Glaube und Bildung der Deutschen Bischofskonferenz konnte daran nahtlos anschließen. Beim Einstieg in den Beruf sei die Persönlichkeit des Schulabgängers oft wichtiger als Zeugnisse. An jeder katholischen Schule müssten die Verantwortlichen entscheiden, welches Alleinstellungsmerkmal für ihre Schule als „Standortfaktor“ zu nutzen sei. Katholische Schulen seien dabei für die Gesellschaft und die katholische Kirche auf vielerlei Art bedeutsam. Zum einen fördern sie mit ihrer Wertevermittlung den Zusammenhalt in Kirche und der säkularen Gesellschaft. Zum anderen seien die Schüler ein wichtiger Baustein für die Zukunft der Kirche. Dabei sollten katholische Schulen von einer Willkommenskultur geprägt sein, in der ein wertschätzender Umgang mit Kindern und Jugendlichen und deren Familien geübt wird, unabhängig von Herkunft und Religionszugehörigkeit.