Bildung im Sinne einer ganzheitlichen Stärkung und Entfaltung der Persönlichkeit beginnt nicht erst in der Schule. Auch Familien und Tageseinrichtungen für Kinder leisten ihre substanziellen Beiträge. In diesem Dreieck gibt es alarmierende Befunde, die auf ungerechte Teilhabechancen und psychosoziale Herausforderungen bei vielen Kindern verweisen. Damit ist es höchste Zeit für alle Akteure, miteinander zu reden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Drei katholische Verbände am Start
Einen solchen Brückenschlag vollzog im Januar 2026 im Katholisch-Sozialen Institut in Siegburg ein Symposium zur frühkindlichen Bildung. Drei katholische Verbände luden ein, über den Tellerrand zu schauen und das Gesamtbild wahrzunehmen. Die Gesellschaft ist auf gut ausgebildete Menschen mit einer starken Persönlichkeit angewiesen und braucht dringend eine gute Zusammenarbeit der Akteure, im Sinne der Kinder und Familien und im eigenen Sinne.
Diesen Geist atmete die Fachveranstaltung in jeder Etappe. Nach kurzer Begrüßung durch Marie-Theres Kastner, Ehrenvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED), und Bundesfamilienministerin Karin Prien (per Video) umriss die Pädagogin Monika Korthaus-Lindner (ebenfalls KED) Erfahrungen aus heutigen schulischen Beobachtungen. Dabei schloss sie Aussagen von Grundschulleiterin Maria Lembeck ein, die sie beim Symposium vertrat.
Zunehmend ist auf Kitas kein Verlass
Eine Kernaussage: Sprachförderung, wie sie auch Ministerin Karin Prien auf Basis von Erhebungen in den Kitas installieren will, sei ein Thema für alle Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft. Wie auf anderen Gebieten habe sich der entsprechende Umgang mit Lesen und Sprechen in den Familien verändert. Können und sollen die Kitas diese Entwicklung kompensieren oder braucht es andere Instrumente bis hin zum Vorziehen der Schulpflicht?
Darüber ist zu reden, denn aus gutem Grund ist die Zeit der Kitas aus Sicht der Eltern gesetzlich geregelt, die Schulbildung obliegt hingegen dem Staat. Das machte Xenia Roth vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium deutlich. Wie ist das auszutarieren angesichts gravierender Probleme wie Fachkräftemangel, Überlastungen und damit verbundenen Betriebsausfällen? Schon heute ist der Alltag vieler Familien davon belastet, dass auf ihre KiTa kein Verlass ist.
Soziale Ungerechtigkeit ist ansteckend
In diesem Würgegriff knapper Ressourcen haben armutsgefährdete Familien und die mit Migrationsgeschichte häufig das Nachsehen. Das beginnt beim Zugang – wer bekommt einen KiTa-Platz und wer nicht? Das geht weiter bei der Frage, wessen Kind bei Engpässen nach Hause geschickt wird. Und auch bei anderen Fragen von Teilhabe und qualitativ hochwertigen Angeboten gibt es Nachteile. Xenia Roths Fazit: „Soziale Ungerechtigkeit ist ansteckend.“
Stoff satt, um in zwei Workshop-Runden über Wahrnehmungen, Handlungsbedarfe und Handlungsansätze zu arbeiten. Vorher steuerten noch Ulrich Hoffmann, Präsident des Familienbundes der Katholiken, und Gerlinde Kohl, Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG), fachpolitische Impulse bei. Sie zogen dabei Verbindungen zu den anderen Akteuren im Feld, jeweils aus ihrer eigenen Sicht, der Familien sowie der pädagogischen Fachkräfte.
Der Druck auf alle Beteiligten ist hoch
Bei den Workshops mischten sich die Perspektiven deutlich, was die Ergebnisse noch einmal schärfte. Übergreifend wurde in Siegburg deutlich: Auf dem ganzen System der frühkindlichen Bildung lastet ein überfordernder Stress. Viele Familien unterliegen einem hohen Erwerbsdruck. Die Kitas sind mit Erwartungen überfrachtet, ihre Ausstattung hält dem nicht stand. Und die Grundschulen können nicht auffangen, was in Familien und Kitas versäumt wurde.
Ob Staat, Gesellschaft und Wirtschaft mehr Ressourcen in dieses Dreieck investieren? In jedem Fall ist es an der Zeit, dass alle Beteiligten ihre gemeinsame Verantwortung für das Gelingen frühkindlicher Bildung wahrnehmen. Voneinander hören, im Sozialraum, sich verstehen, miteinander arbeiten, zum Wohl einer gedeihlichen Entwicklung der Kinder: Das ist ein vielversprechender Ansatz, der den Umgang mit der druckvollen Lage verbessern kann.
Veranstalterbündnis arbeitet mit Ergebnissen weiter
Dass ein besseres gegenseitiges Verständnis und ein respektvolles Miteinander möglich sind, im aufgeheizten gesellschaftlichen Diskursklima rund um Erziehung, Sozial- und Familienpolitik sogar wohltuend andere Akzente setzen helfen, zeigte sich in Siegburg. Gemeinsam ist man Spielball und Spieler zugleich in den Debatten um Sorgearbeit, um soziale und kulturelle Teilhabe, um Bildungsgerechtigkeit. Verzahnt denken und handeln ist die Zukunft.
Die veranstaltenden Verbände bleiben dran. Familienbund, KEG und KED sehen in dem engagiert geführten Austausch eine Verpflichtung, mit den vielfältigen Ergebnissen des Symposiums in Siegburg weiterzuarbeiten. Den Rahmen für das Leben, Arbeiten und Lernen mit Kindern für Familien, Kitas und Schulen zu verbessern, verbindet als gemeinsame Zielsetzung. Die Fachveranstaltung hat dazu etliche konkrete Anknüpfungspunkte erbracht.
Wir danken für die Unterstützung von Familienbund der Katholiken Landesverband NRW, Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) im Erzbistum Paderborn und KED im Erzbistum Köln.
Fortlaufende Dokumentation
An dieser Stelle verlinken wir pdf-Dokumente, die Impulse des Tages zusammenfassen. Sobald uns noch etwas dazu erreicht, dokumentieren wir es gerne! Bisher haben wir folgende Beiträge für Sie gesammelt:
Impulsvortrag von Xenia Roth vom Bildungsministerium des Landes Rheinland-Pfalz
Fachpolitischer Impuls von Ulrich Hoffmann, Präsident des Familienbundes der Katholiken
Fachpolitischer Impuls von Gerlinde Kohl, Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG)
Fotokoll der Workshopergebnisse: Wahrnehmungen, Handlungsbedarfe, Handlungsansätze

