Zeit für ein großes Lob für Schüler, Eltern und Lehrkräfte - KED warnt vor "Home-Schooling"

Bonn/Warendorf/St. Blasien (KED). Die Bundesvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) Marie-Theres Kastner und der geistliche Beirat des Bundesvorstandes P. Klaus Mertes haben in einer ersten vorsichtigen Bilanz der unterrichtsfreien Zeit alle am „Lernen daheim“-Beteiligten ein großes Lob ausgesprochen. Das erste Lob geht an die Schülerinnen und Schüler. Nach allen Rückmeldungen sind sie der Erledigung ihrer gestellten Aufgaben sorgfältig nachgekommen und haben alles versucht um mit der neuen Situation fertig zu werden.

Das zweite Lob muss an die Lehrkräfte gehen. Sie haben sichmit viel Engagement auf  neue Unterrichtsformen eingelassen und damit die Grundlage dafür gelegt, dass das Schuljahr für ihre Schützlinge nicht verloren geht. Das haben sie auch über ihre Dienstzeiten hinweg getan. Die Schülerinnen und Schüler berichten, dass sie auch bereit waren über ihre privaten Accounts für Schülerfragen da zu sein

Natürlich sind auch die Eltern zu loben. Sie mussten auffangen, was an Unsicherheiten da war. Sie mussten Fragen beantworten und waren so unmittelbar in den Lernalltag der Kinder eingebunden. Das war sicherlich nicht leicht, weil ja die Eltern weiter im Berufsleben eingebunden waren. Und wir wissen alle, dass es Familiensituationen gibt, in denen den Kindern nicht geholfen werden kann. Hier ist am Ende auszuwerten, ob das der Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem entgegengewirkt hat. Die Sorgen vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe müssen wir ernst nehmen und nach Ablauf der Krise mit der Realität abgleichen,“ forderte Kastner.

„Für alle war die Situation völlig neu, und alle haben sich ins Zeug gelegt, weil es am Ende ja auch darum geht, dass das Schuljahr nicht verloren geht und die Kinder nicht ein kostbares Lebensjahr verschenken,“ so die Bundesvorsitzende Kastner. 

Dabei gibt es einige interessante Erkenntnisse aus diesen Zeiten. „Wenn wir die Kinder befragen, dann sagen sie uns sehr deutlich, dass sie auf den täglichen Schulbesuch auf Dauer nicht verzichten wollen.“, so Kastner   „In der Schule gibt es die Gemeinschaft mit den anderen, es gibt auch die persönliche Begegnung mit den Lehrerinnen und Lehrern. Der Unterrichtsstoff ist einfach so besser verstehbar als über das Internet“, so stellte im persönlichen Gespräch eine Schülerin klar.

„Die Sicht der Lehrkräfte ist da sicherlich nicht anders,“ so P. Mertes. Bildung und Erziehung findet nicht in virtuellen Räumen statt. Bildung ist Beziehungsarbeit, Erfolge gründen sich auf den persönlichen Begegnungen zwischen Lernenden und Lehrenden.“

 

Im Rahmen der Analyse sei sie auch gefragt worden, so berichtete die Bundesvorsitzende der KED, ob das „home-schooling“ nach diesen Wochen nun endlich auch eine Option für Deutschland sei. „Dem möchte ich klar entgegentreten“, so Kastner. „Das, was wir in den Zeiten der Krise erlebt haben, ist kein „home-schooling“. Es war „Lernen daheim“ unter der Regie von Lehrerinnen und Lehrern nach den gesetzlichen Lehrplänen.  Unter „home-schooling“ verstehen wir das Lernen unter der Anleitung von  Eltern für ihre eigenen Kinder  oder durch Eltern eingestellte Lehrer. Es findet abseits der öffentlichen Schulen statt. Für mich ist diese Form des Lernens nicht angezeigt, weil es zum einen die gesellschaftliche Spaltung vorantreibt. Das können sich nur Eltern mit viel Geld leisten. Zum anderen öffnet diese Beschulung auch Tür und Tor für geistige Indoktrination. Nicht umsonst schwärmen z.B. Reichsbürger für diese Art von Schule. Ich halte die Einführung der allgemeinen Schulpflicht nach wie vor für eine der größten Sozialleistungen der vergangenen einhundert Jahre. Jedes Kind hat dadurch einen Anspruch auf Bildung, egal aus welchem Elternhaus es kommt. Jedes Kind kann somit Grundlage für ein selbstbestimmtes, selbstgestaltetes Leben schaffen. Dabei bieten öffentliche Schulen  und Schulen in freier Trägerschaft mit unterschiedlicher Wertorientierung eine große Vielfalt an, die unserer pluralen Gesellschaft in einem demokratischen Rechtsstaat entsprechen“. So die Bundesvorsitzende der KED.