„Zeichen der Hoffnung“ – Interreligiöses Fastenbrechen an einem katholischem Gymnasium in der Friedensstadt Osnabrück

 

An einem Fastentag für 125 Personen Tische und Bänke in der Aula aufzustellen und zu dekorieren, war für die muslimische Schüler:innengruppe aus Jahrgang 11 gar keine leichte Aufgabe. Und so war es gut, dass es schon beim Aufbau zum zweiten interreligiösen Fastenbrechen tatsächlich interreligiös zuging, denn spontan kamen auch jüdische und christliche Schüler:innen dazu und halfen mit.

Eingeladen hatte wie im letzten Jahr das Forum Muslimischer Eltern und Schüler:innen der Ursulaschule, einem Gymnasium der Schulstiftung im Bistum Osnabrück, an dem neben christlichem auch jüdischer und islamischer Religionsunterricht eingerichtet sind und eine religionssensible Schulkultur gepflegt wird, um allen Schüler:innen diskriminierungsfreie Bildungsteilhabe zu ermöglichen.

In diesem Jahr gab es einen besonderen Anlass, da die christliche und die muslimische Fastenzeit zeitgleich starteten: Der Abend des Aschermittwochs war der Beginn des ersten Ramadans und auch ein jüdischer Fastentag, das Esterfasten vor Purim, fiel in die gemeinsamen Fastenwochen.

Vor dem eigentlichen Fastenbrechen führten zwei Schülerinnen mehr als 125 Schüler:innen, Lehrer:innen, Eltern und Vertreter:innen der Religionsgemeinschaften durch das Programm. In einem trialogischen Podiumsgespräch zwischen dem Lehrer für jüdische Religion, einer muslimischen Schülerin, die zugleich stellvertretende Schülersprecherin ist, und einem katholischen Elternvertreter ging es um Fastentraditionen und die Sichtbarkeit von Religion in der Schule. Die Schülerin bezeichnete sich selbst als „Bistumskind“ und beschrieb es als eine wertvolle Erfahrung, in ihrer Schulzeit die christlichen Traditionen miterlebt zu haben, die an der Drei-Religionen-Grundschule der Schulstiftung und der Ursulaschule gepflegt werden. Der jüdische Lehrer berichtete von den Erfahrungen mit seinen muslimischen Jugendfreunden, die ihn darin bestärkten, sich intensiver mit seiner eigenen Religion zu beschäftigen. Er machte auf die vielen Gemeinsamkeiten von Islam und Judentum aufmerksam, die unter anderem beim Fasten deutlich werden: So wird auch an den jüdischen Fastentagen auf Essen und Trinken verzichtet und am Abend gemeinsam das Fasten gebrochen. Ein Dozent vom Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück sprach über die spirituellen Dimensionen des Fastens als eine Form der Befreiung der Seele und der Einübung von Geduld und Dankbarkeit.

Das Osnabrücker El-Raudha-Ensemble begleitete den Abend mit islamischem Lobgesang auf Arabisch und Deutsch und der katholische Schulseelsorger trug das Lied „Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt“ (Diethard Zils) vor, welches an das Psalmwort „ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen“ angelehnt ist.

Im Verlauf des gesamten Programms wurden sowohl die gemeinsamen Anliegen der Religionen – in dem, was sie den Menschen wünschen – als auch die biographischen Verflechtungen von Muslimen, Christen und Juden in unserer interreligiösen Gegenwart sichtbar.

Nach dem sehnlich erwarteten Adhan, dem Gebetsruf im Islam, der mit dem Beginn des Abendgebets das Ende des Fastentages ankündigte, erkannten insbesondere die jüngeren Teilnehmer:innen im Buffet den eigentlichen Höhepunkt der Veranstaltung und verzehrten mit großer Begeisterung Kibbeh, Schawarma, Sambusak, Kunafa und die anderen Köstlichkeiten, die das syrische Catering bereitgestellt hatte. Eine von der Jüdischen Gemeinde bestellte koschere Variante wurde ebenfalls angeboten.

„Ein Fest der Religionen“, so das Fazit eines jüdischen Schülers, eine Bereicherung der religiösen Schulkultur der katholischen Schule und ein Zeichen der Hoffnung angesichts der Konflikte in dieser Welt.

 

Text: Dr. Silvia Horsch (Lehrerin für Islamischen Religionsunterricht), Ayse Cindilkaya (Elternvertreterin), Dr. Winfried Verburg

Foto: Foto-AG, Pakinam Fawzy

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